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Maggie Stiefvater

Rot wie das Meer

  • Autor:Maggie Stiefvater
  • Titel: Rot wie das Meer
  • Serie:
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Hardcover
  • Verlag:Script5
  • Datum:01 November 2012
  • Preis:18,95 EUR

 
»Rot wie das Meer« von Maggie Stiefvater


Besprochen von:
 
pelaphina
Deine Wertung:
(4)

 
 
Die Insel Thisby wird jedes Jahr im November Schauplatz des Scorpio-Rennens, bei dem junge Männer auf Wasserpferden nach Ruhm und Geld streben. Nicht nur im Rennen, bei dem die Pferde wieder dem Meer entgegenstreben, schon bei dem Versuch, die dem Meer entstiegenen Wesen einzufangen, sterben viele der Kandidaten. Die sogenannten Capaill Uisce sind unglaublich schnelle Pferde, aber auch blutrünstige Monster.

Da er bereits vier Mal das Rennen für sich entscheiden konnte, ist Sean Kendrick auch dieses Jahr der klare Favorit. Er kennt die Wasserpferde wie kein anderer und geht intuitiv mit ihnen um. Dabei reitet er nicht für sich, sondern für den reichen Landbesitzer Malvern, für den er arbeitet. Der Hengst Corr und er haben eine besondere Bindung, und doch wird das Wasserpferd wohl nie dem talentierten Pferdetrainer gehören. Sean muss sogar fürchten, dass sein Nemesis Mutt, der ungehobelte Sohn des Landbesitzers, Corr reiten wird.

Nachdem sie beide Eltern durch Capaill Uisce verloren hat, lebt Kate Conolly allein mit ihren beiden Brüdern Finn und Gabriel. Als Gabe ankündigt, die Insel zu verlassen, verkündet die Waise Kate Connolly (genannt Puck) kurzerhand, daran teilzunehmen – in der Hoffnung, ihn damit noch eine Weile aufzuhalten. Zudem scheint das Preisgeld der einzige Welt, das von den Eltern hinterlassene Haus zu retten. Doch Kate hat nur ein kleines Landpferd und sie ist die erste Frau, die sich je zu diesem Rennen angemeldet hat. Selbst wenn man sie reiten lässt – welche Chance hat sie schon gegen die schnellen Wasserpferde? Zu ihrem Glück setzt sich Sean für sie an und eine Art Freundschaft beginnt zwischen den unterschiedlichen Pferdenarren.


Aufmachung
Man merkt gleich: script5 hat sich hier viel Mühe gegeben mit dem Erscheinungsbild. Der glänzende Schutzumschlag mit den geprägten weißen und roten Wellen ist ein echter Hingucker. Dazu kommt noch der Vorsatz mit dem beigen Wellenmuster und ein Lesebändchen. Man hat sogar das „nackte“ Buch nicht außer Acht gelassen und den Titel auch auf den Einband geprägt.


Meinung
Die Geschichte von „Rot wie das Meer“ ist aus zwei Perspektiven erzählt, von Puck und von Sean.
Die Stimmung ist von Anfang an eher traurig, nachdenklich und selten heiter. Der Titel ist sehr passend, denn die mythischen Tiere fordern viele Opfer, deren Blut das Meer verfärbt. Das Leben auf der Insel, die verschiedenen Inselbewohner und das Training vor dem Rennen nehmen einen großen Teil des Romans ein, bis das Finale in einigen wenigen Seiten über die Bühne geht und alles relativ offen beendet wird.. Für meinen Geschmack hätte mehr passieren können, doch die fremde Welt von Thisby mit all ihren Gefahren und Stiefvaters lesenswerter Stil halten einen bei der Stange. Die ganze Geschichte hat etwas Traumhaftes an sich, was wohl an dem mythischen Stoff liegt.

Die Insel Thisby ist durch die jährliche Veranstaltung und ihre exotischen Reittiere eine Touristenattraktion, gleichzeitig sind die Bewohner einer eingeschworene Gemeinschaft, bei der jeder jeden kennt. Als Kate als erste Frau beim Pferderennen teilnehmen möchte, werden vor allem Aberglaube und Kleingeisterei der Inselbewohner deutlich, die sie daran hindern möchten.
Sean und Kate stehen eindeutig im Zentrum der Geschichte. Kate ist eine starke Persönlichkeit, sie ist leidenschaftlich und zuweilen kratzbürstig. Passt ihr Spitzname „Puck“ auch gut zu ihrem Wesen, so habe ich sie doch lange als männlich eingeschätzt. Sean mit seiner ruhigen, undurchdringlichen Art bleibt lange Zeit ein Buch mit sieben Siegeln.

Beeindruckend an „Rot wie das Meer“ sind besonders die phantastischen Inselbewohner und die Atmosphäre der Insel, allerdings habe ich mir zuweilen schwer getan mit dem Roman. Zum einen, weil ich Kates Handlungsmotivation und Seans Begeisterung für die Wasserpferde nicht nachvollziehen konnte. Warum muss sie gleich ihr Leben aufs Spiel setzen, nur weil ihr Bruder gehen wird, und selbst nach diesem impulsiven Ausbruch an dieser Entscheidung festhalten? Noch unverständlicher für mich: Warum liebt sie diese Insel so sehr, nachdem ihr dort die Eltern genommen wurden und immer wieder Freunde ums Leben kommen? Eigentlich müsste sie doch traumatisiert sein – Gabriels Entscheidung hat für mich viel mehr Sinn ergeben. Die Wasserpferde werden dem Leser vor allem als blutdürstige, albtraumhafte Jäger geschildert, denen man niemals trauen darf. Solche Wesen gehören für mich fast schon ins Horror-Genre, und so gestalten sich einige Szenen auch eher als Horrorszenarien als dass sie sich in einen Liebesroman einfügen.

Außerdem fand ich schade, wie wenig viele Figuren ausgearbeitet sind. Selbst Kates Brüder Finn und Gabriel scheinen mehr Statisten als komplexe Persönlichkeiten, ganz zu schweigen von vielen Freunden und Bekannten, die hin und wieder auftreten. Im Endeffekt erfährt man kaum etwas über sie – als sollten sie bloß die Handlung weiterbringen, aber nicht von der Liebesgeschichte ablenken. Diese ist wirklich unaufdringlich beschrieben, ohne viele Worte und übliche Klischees und dennoch nachvollziehbar.


Fazit
Wer Pferden nicht völlig abgeneigt ist und sich von blutigen Szenen nicht gleich abschrecken lässt, der mag sich von Maggie Stiefvaters atmosphärischer Insellandschaft und zarter Liebesgeschichte verzaubern lassen. Auch wenn für mich nicht alles nachvollziehbar und viele Figuren zu blass waren - den Leser erwarten eine originelle Idee und eine einfühlsam erzählte Geschichte.
 


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